Radwegechaos in Paderborn
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Politikfelder - Mobilität
Geschrieben von: Stefan Schwan   

Die Sonne lacht und immer mehr Paderbornerinnen und Paderborner schwingen sich auf's Rad, um damit zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren oder auch nur, um am Wochenende einen Ausflug zu machen. Das Paderborner Radwegenetz befindet sich aber leider immer noch im Winterschlaf.

Vordergründig sieht es um die Radwege in Paderborn gar nicht so schlecht bestellt aus. Schaut man jedoch genauer hin, merkt man sehr schnell, dass hier Verkehrsplaner am Werke waren, die sich selber am liebsten im Auto fortbewegen. Schaut man noch genauer hin, merkt man auch, dass der CDU-Stadtrat seine Verwaltung überhaupt nicht im Griff hat. Da werden Verwaltungsvorschriften zum Radwegebau auch beim Naubau von Radwegen (!) einfach missachtet oder zum Schaden von Radfahrern wie Fußgängern ausgelegt und diese in Gefahr gebracht. Ein paar Beispiele aus dem Paderborner Kuriositätenkabinett...

Radweg über den Markt

Bevor Sie weiterlesen, vertiefen Sie sich bei Interesse etwas in dieAllgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO). Sie kommeen natürlich auch ohne aus, aber es hilft, um das Radwegechaos in Paderborn zu verstehen.

Grundsätzlich ist der Markt für den Radverkehr freigegeben. Der Markt ist zwar Fußgängerzone, im Schritttempo dürfen Radfahrer ihn aber überqueren und befahren. So ist es auch kein Wunder, dass die Radroutenbeschilderung über den Markt zum Dom führt. An der Grube ist den Verkehrsexperten jedoch ein besonders tolles Stück verkehrspolitischer Planung gelungen. Während der Radroutenpfeil nach wie vor in Richtung Markt zeigt, wird seit einigen Monaten 50 Meter weiter mit einem Schild die Weiterfahrt per Fahrrad über den Markt verboten. Von anderen Seiten des Marktes kommend darf der Markt übrigens nach wie vor befahren werden. Immerhin, nach fast einem Jahr hat die Stadt gemerkt, dass hier etwas nicht stimmen kann und die Einschränkung "an Markttagen" wieder lesbar gemacht.

Eine der meistbefahrenen Radstrecken in der Paderborner Innenstadt ist der innere Ring bzw. Wall. Gerade hier jedoch gibt es einen Radweg, der überwiegend nur einseitig geführt wird und den Verwaltungsvorschriften zur StVO eigentlich widerspricht. Die Verwaltungsverordnung zur StVO regelt eindeutig, dass die Benutzung dieses Radweges (eines sogenannten links angelegten Radeweges) nicht nur gefährlich sondern sogar verboten ist. "Die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist mit besonderen Gefahren verbunden und deshalb aus Gründen der Verkehrssicherheit grundsätzlich nicht erlaubt" heißt es dazu in der Verwaltungsverordnung. Mit gutem Grund, denn Unterscuhungen zeigen, dass Radwege mit Zweirichtungsverkehr ein vielfach höheres Unfallaufkommen haben alle anderen Formen von Radwegen.Dass ausgerechnet auf einer der am stärksten befahrenen Radstreecken der Innenstadt ein solcher Radweg angekegt wurde, spricht schon für die Ignoranz, mit der dieser Radweg angelegt wurde.

 

Es gibt in der Tat Ausnahmen von dem genannten Verbot von Zweirichtungsradwegen. Die Verwaltungsverordnung sieht vor, dass "innerorts nur in besonderen Ausnahmefällen" im "Einzelfall mit Zeichen zur Benutzung durch die Radfahrer auch in Gegenrichtung" freigegeben werden kann. Der Radweg muss dann "durchgehend in der Regel 2,40 m, mindestens 2 m" betragen. Auf dem Ring hat der Radweg an den schmalsten Stellen eine Breite von  1,20m und erfüllt damit noch nicht einmal die Bedingungen für die einseitige Radwegführung (mindestens 1,50 m)! Zieht man auch noch die Stellen ab, an denen durch Bäume die Fahrwegplatten agehoben sind und dadurch faktisch nicht befahrbar sind, kommt man auf Breiten unter einem Meter. Auch hier gibt es in der Verwaltungsverdung natürlich wieder Ausnahmen, die diese Verengung streckenweise erlauben...

Durch zahlreiche Bushaltestellen auf dem Ring wird das Gefahrenpotential für aussteigende Busfahrgäste und Radfahrer weiter erhöht. Zwar sind die Bushaltestellen durch dicke Balken auf dem Radweg markiert. Falls dieses jedoch eine Änderung der Vorfahrtsregelung für die Radfahrer auf dem Radweg darstellen soll, so ist diese nach den Verwaltungsbestimmungen ebenfalls nicht erlaubt. Weder Busfahrgäste noch Radfahrer können etwas für diese extrem gefährliche Radwegführung zwischen Fußgängerweg und Bushalt, veranstwortlich für die zahlreichen sich täglich wiederholende Beinaheunfälle ist auch hier die Planung der Stadt.

Dieser Beitrag wird fortgesetzt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siehe auch: http://rad-weg.nueb.de/

 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 26. Mai 2009 um 20:31 Uhr
 

Standpunkte in Kürze

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