Lücken schließen?
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Geschrieben von: Stefan Schwan   

Leserbrief zum Artikel in der NW vom 14.01.2010: "Erst mal Lücken schließen"  Schön, dass es bei der Stadt jetzt jemanden gibt, der sich um den Radverkehr kümmert. Es bleibt zu hoffen, dass sich dadurch auch das Denken im Rat der Stadt ändert. Der Artikel "Erst mal Lücken schließen" lässt dies leider erst einmal nicht vermuten.

Leider gibt der Artikel nicht immer den aktuellen verkehrsplanerischen Stand wieder. So ist es keineswegs so, dass der Radverkehr ab einer Dichte von 10.000 Fahrzeugen pro Tag vom übrigen Verkehr getrennt werden muss, schon gar nicht in Form von Radwegen. Wege für den Radverkehr müssen nach den aktuellen Regelungen erst ab einer Verkehrsdichte von über 25.000 Autos pro Tag angelegt werden. Und selbst dann reicht nach den Bestimmungen aus dem Jahr 2009 ein breiter Radstreifen. Es ist sogar so, dass bei einer geringeren Verkehrsdichte als 10.000 Autos nach StVO als Nebenstraße gilt und überhaupt kein Radweg vorgesehen ist. Auch gibt es keine Regel, die besagt, dass ab einer Verkehrslast von 25.000 Autos pro Tag eine Straße vierspurig ausgebaut werden muss. Ab einer Dichte von 25.000 Autos ist der Ausbau auf vier Spuren nicht etwa vorgeschrieben, sondern überhaupt erst gerechtfertigt. Ein kleiner aber sehr feiner Unterschied, der wohl eher auf den autofreundlichen Rahmenvorgaben der Mehrheitsfraktionen im Paderborner Rathaus beruhen dürfte als auf Unkenntnis der Verwaltung.

Es fehlt Paderborn auch keineswegs grundsätzlich an Radwegen. Gefährliche Radwege u.a. mit Zweirichtungsverkehr gibt es in Paderborn bereits an jeder Ecke. Es fehlt aber ein integriertes Verkehrskonzept, dass nicht die Trennung der Verkehrsteilnehmer zum Ziel hat, sondern ein gutes Miteinander, das allen gerecht wird. Denn nach der Straßenverkehrsordnung gehören Fahrradfahrer nicht auf eigene Wege sondern für Autofahrer gut sichtbar auf die Fahrbahn, eventuell abgetrennt durch einen Schutzstreifen oder eine Radspur. Radfahrer auf getrennten Radwegen vor dem Autoverkehr zu verstecken, ist nach StVO – gerade in Innenstadtereichen – nur noch in gut begründeten Ausnahmefällen erlaubt. Hiermit trägt der Gesetzgeber der Tatsache Rechung, dass Autofahrer und Radfahrer auf Radwegen keine ausreichende Sichtbeziehung haben und Radwege eher die Unfallhäufigkeit mit Autos erhöhen als senken oder es zudem zu Konflikten mit Fußgängern auf gemeinsamen Rad-Fußwegen kommt.

Sicherlich gibt es Radfahrer, die sich auf Radstreifen auf der Fahrbahn unsicher fühlen. Dies hängt aber meist damit zusammen, dass es kein Konzept für das gute Miteinander aller Verkehrsteilnehmer gibt, sondern einseitig dem Fluss des Autoverkehrs Priorität eingeräumt wird. Der in der StVO niedergelegte Grundsatz, dass Verkehrssicherheit vor Verkehrsfluss geht, wird in Paderborn dabei nur zu oft mit Füßen getreten. Am Giertor und neuerdings auch am Detmolder Tor hat die Stadt eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie man durch eine teure Radweglösung genau das Gegenteil von dem erreicht, was die Straßenverkehrordnung fordert. Durch Radwege wurde hier sehr viel mehr Unübersichtlichkeit und weniger Sicherheit geschaffen als ohne jegliche Radführung.

Ein Radverkehrsnetz muss nicht viel kosten. Das Abmarkieren von Radwegen auf Fahrbahnniveau ist selbst auf der Neuhäuser Straße, aber auch auf der Warburger Straße sehr wohl möglich – jedoch von den Mehrheitsfraktionen im Rat nicht gewollt. Fahrradstreifen oder Fahrradspuren sind kein Allheilmittel, es gibt aber genügen Beispiele in Paderborn, wo eine Fahrradspur die billigere und bessere Lösung für den Radverkehr gewesen wäre. Auch in anderen Bereichen kann die Stadt sofort handeln. Seit der letzten Novelle der StVO ist die Anordnung der Benutzung von links geführten Radwegen mit Zweirichtungsverkehr (wie auf dem Wall) nicht mehr vorgesehen. Einstweilen würde es also schon reichen, wenn sich die Stadt an die Verwaltungsvorschriften halten würde und kostengünstig einige blaue Radwegschilder an Stellen abmontieren würde. Dadurch wäre es für unsichere Radfahrer trotzdem noch erlaubt, den Wall langsam in Gegenrichtung zu befahren, es bestünde hierfür aber keine Pflicht, womit Unfälle mit schnelleren Radfahrern verringert werden könnten. Im Rat der Stadt Paderborn wird darüber hinaus aber die Fraktion der Grünen auf die baldige die Entwicklung eines schlüssigen Gesamtkonzeptes für den Paderborner Verkehrs drängen.

 

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